Verlängerung der U6 von Garching bis Neufahrn?

2007 begann eine Initiative, die in vielen Kreisen Hoffnungen weckte. Strategische Köpfe in der MVG, der Gesellschaft, die die Münchener U-Bahn betreibt, veröffentlichten eine Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der U6 über die Haltestelle Garching-Forschungsinstitute hinaus bis zur S-Bahnlinie S1. Auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Betätigungsfeld auszubauen, witterten sie ein wirtschaftliches Potential. Acht Trassen wurden untersucht, die entweder zum S-Bahnhaltepunkt Eching oder Neufahrn führten. Als am effektivsten stellte sich eine Trasse "Neufahrn West" heraus, die zur damaligen Zeit mit Baukosten von 150 Mio. Euro kalkuliert wurde. Dietersheim sollte eine U-Bahnstation bekommen, und als Umsteigepunkt wurde der S-Bahnhof Neufahrn als am geeignetsten angesehen.

 

Die Landkreise München und Freising, die Kommunen München, Garching, Eching, Neufahrn und Freising, die Hochschulen in München, Garching, und Freising, die Forschungsinstitute der Max-Plank-Gesellschaft in Garching und die Flughafen München Gesellschaft sahen hier eine wichtige Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur und begrüßten die Planungsüberlegung der MVG. Der damalige bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch prägte bereits den Begriff "Brain-Train" für diese direkte Verbindung der Hochschulstandorte miteinander und der Forschungsinstitute in Garching mit dem Flughafen München. 

Doch dann schob der MVV eine Verkehrswertabschätzung dieser U-Bahnverlängerung nach. Und kommt zu einem verheerenden Ergebnis. Der Nutzen soll demnach nur ein Zehntel der Kosten betragen. Die allgemeinen Reaktionen fielen demnach von überrascht bis enttäuscht aus.

Was war passiert? Haben sich praktisch alle Repräsentanten von Körperschaften der Region getäuscht und sind einem unverantwortlichen Wunschdenken nachgehangen? Die MVG hatte auf eigene Initiative hin mit ihrer Machbarkeitsstudie die Öffentlichkeit gesucht. Der MVV als Muttergesellschaft der MVG kämpfte zu diesem Zeitpunkt intensiv darum, die 2. S-Bahnstammstrecke durchzusetzen, die politisch äußerst umstritten war. Weite Kreise der Opposition favorisierten dazu ein alternatives Konzept des Nahverkehrs mit einer Stärkung der Nord-Süd-Achse und einer Ringbahn anstelle der Verdopplung der bereits bestehenden Ost-West-Achse. Fiel somit eine eigentlich sinnvolle Verlängerung der U6 dem politischen Kampf um die 2. S-Bahn-Stammstrecke zum Opfer? Nachdem dieses Verkehrsprojekt nun als gesichert angesehen werden kann wäre möglicherweise die Zeit reif, die Frage der U-Bahn-Verlängerung erneut auf die Tagesordnung zu setzen.

 

Doch braucht Neufahrn eine U-Bahn-Verlängerung wirklich? Teilen Sie dazu Ihre Meinung mit.