Neue Standanordnung für den Freitagsmarkt

Der Marktplatz hat ein Problem

Nicht nur bei Veranstaltungen auf dem Marktplatz, sondern auch bei der Nutzung des Platzes für den Markt selbst stellt sich die Platzgestaltung als Hindernis heraus: wie eine Wand teilt die Anordnung von Bäumen, Laternen, Sitzbänken, Fahrradständern und Papierkörben auf der Mittelachse des langgestreckten Platzes diesen in zwei straßenartige Flächen. Damit findet sich nirgends auf dem Marktplatz eine tatsächlich platzartige Fläche.

 

Die Marktstände mussten sich deshalb Rücken an Rücken um diese Mittelachse herum aufstellen. Nachdem es nur eine sehr kleine Anzahl von Ständen war konnten sie somit keine Einheit bilden sondern standen voneinander isoliert und nach verschiedenen Richtungen orientiert. Immer mal wieder versuchten neue Markthändler ihr Glück in Neufahrn, aber sie wurden auf diese Weise kaum wahrgenommen und zogen deshalb nach ein paar Wochen wieder weiter. Dieser Zustand dauerte über viele Jahre so an, und es gab nur eine wirkliche Konstante, die die Existenz des Freitagsmarkts aufrecht erhalten hat: der Obst- und Gemüsestand Bichler. Ohne ihn, so ist zu befürchten, hätte Neufahrn schon lange keinen Wochenmarkt mehr gehabt.


Der erste Schritt

Als Ergebnis der Diskussionen im Marktplatztreff um die Verbesserungsmöglichkeiten für den Freitagsmarkt kristallisierte sich Anfang 2016 heraus, die Standanordnung zu ändern und zu versuchen, aus den vorhandenen Händlern einen gemeinsamen Markt zu bilden. Dazu sollten sie sich hofartig um einen gemeinsamen Innenraum aufstellen. Die Idee klang einfach, barg aber eine Reihe von Aufgaben, die erledigt werden mussten. Am einfachsten war es noch, die Zustimmung der Marktgilde für Umstellung der Stände zu erhalten. Auch die Marktgilde als organisatorisch Verantwortliche für den Neufahrner Wochenmarkt hat natürlich ein Interesse, diesen nach Möglichkeit zu fördern und zu verbessern, und so konnte sie schnell von der Idee überzeugt werden. Ebenfalls nicht schwierig war es, von der Gemeinde die Zustimmung zu bekommen, einen Teil der auf der Mittelachse installierten Platzmöblierungen zu entfernen, um überhaupt den Raum für eine zentrale Anordnung der Marktstände zu schaffen. Aufgrund der hochwertigen Ausführung der Platzmöbel waren diese demontierbar, sodass sie probehalber entfernt werden konnten. 

Schwieriger war es schon, die Markthändler selbst von dem neuen Konzept zu überzeugen, wovon wir etwas überrascht wurden. Logischerweise fürchten sie aber bei jeder Veränderung der bestehenden Beziehung zwischen ihnen und den Kunden, und dazu gehört auch der für die Kunden gewohnte Platz, an dem sie wie gewohnt "ihren" Stand finden, eine Verschlechterung der sowieso nicht üppigen Umsätze.

Zusätzlich galt es bestimmte Anforderungen bei der Orientierung der Stände zu beachten. Hier war es vor allem wichtig, dass der Fleisch- und Wurststand eigentlich nur nach Norden orientiert aufgestellt werden kann, da der Markt von morgens 8 Uhr bis nachmittags 16 Uhr aus allen drei Himmelsrichtungen Sonneneinstrahlung erfährt und diese für die leicht verderblichen Wurstwaren sehr nachteilig ist. Doch schließlich gelang es, auch hierfür eine Lösung zu finden und die Markthändler für die Idee zu gewinnen.

 

Das Ergebnis war nicht schlecht. Zum ersten Mal war so etwas wie Marktatmosphäre zu verspüren. Menschen, die jahrelang nur "ihren" Gemüsestand besucht hatten fingen an wahrzunehmen, dass da auch noch andere Stände interessante Angebote präsentierten.


Die Marktgasse als Lösung aller Probleme?

Nach einigen Wochen stellten sich aber doch zwei gravierende Schwachpunkte heraus. Der eine Punkt resultierte wieder aus dem Gestaltungskonzept des Marktplatzes insgesamt. Damit die den Platz in Längsrichtung teilende Mittelzone ein wenig wie eine Grünfläche wirkt wurde hier ein Rasenfugenpflaster mit ziemlich breiten Grünfugen verlegt. Genau dieses Pflaster war jetzt der Gehbelag für die Kunden des Wochenmarkts in der zentralen Hoffläche der Standanordnung geworden. Für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sind war das beschwerlicher zu nutzen als der äußere Bereich mit dem glatten Granitpflaster.

Das andere Problem wurde in der starken Abgrenzung des Marktes im Hinblick auf die angrenzenden Geschäften am Marktplatz gesehen. Um sich auf einen zentralen Raum in der Mitte des Freitagsmarkts zu orientieren richteten sich die geschlossenen Rückseiten nun auf die außenliegenden Geschäfte und verdeckten diese völlig. Das war praktisch unvermeidlich, so aber nicht beabsichtigt gewesen.

Nachdem der Markt gegenwärtig nur aus vier Ständen besteht, könnten zumindest die beiden Lebensmittelgeschäfte, Casa Verde und Käseschlemmer, gut das Angebot des Marktes ergänzen. Die Standbetreiber würden von einer gesteigerten Attraktivität des Marktes profitieren und die am Platz ansässigen Geschäftsleute den Markt nicht so sehr als Konkurrenz wahrnehmen.

Damit der Metzgerwagen nach Norden orientiert stehen kann und nicht gleichzeitig die dahinterliegenden Läden verdeckt gab es eigentlich nur einen möglichen Standort: neben dem Geschäft Käseschlemmer auf dem Behindertenparkplatz. Alle übrigen Stände könnten sich dann vis-a-vis aufstellen und somit würde sich eine Marktgasse bilden, an der alle Händler beteiligt sind. Auch vom Hofcharakter der Anordnung zuvor bliebe durch die weniger tiefe Aufstellfläche des Bäckerwagens etwas erhalten. So waren wir relativ schnell davon überzeugt, die optimale Lösung gefunden zu haben und wollten uns an die Umsetzung machen. Doch beim nächsten Marktplatztreff-Stammtisch war die Mehrzahl der Teilnehmer nicht begeistert. Hauptsächlicher Kritikpunkt war, dass die beiden am stärksten besuchten Stände, Obst/Gemüse und Metzger, dann ganz vorne am Eingang des Markts stehen würden. Es wurde befürchtet, dass die dahinter liegenden Stände und Geschäfte von vielen Kunden gar nicht mehr wahrgenommen würden, wenn sie ihre geplanten Einkäufe schon ganz vorne erledigt hätten. Also wurden erneut alle denkbaren Alternativen diskutiert und an Ort und Stelle überprüft, jedoch keine wirklich praktikable Alternative gefunden. Schließlich wurde doch mehrheitlich zugestimmt, es mit diesem Konzept zu versuchen. Frau Kamrad von der Marktgilde war schnell einverstanden, deutlich länger dauerte der Abstimmungsprozess mit dem Eigentümer der Grundstücksfläche, auf dem sich der Behindertenparkplatz befindet. Da trotz Aufstellung des Metzgerwagens die Nutzung der Fläche als öffentlicher Behindertenparkplatz gewährleistet blieb gab es von Seiten der Gemeinde Neufahrn keine Einwände. Und zuletzt waren die Standbetreiber erneut davon zu überzeugen, dass es in ihrem Sinne sei, diese Anordnung auszuprobieren, da sie eine erneute Umstellung ihrer Stände, noch dazu nach so kurzer Zeit, gar nicht schätzten.

Geschafft!

Seit Ende Juli wird nun die neue Standanordnung ausprobiert. Die Kunden hatten keine Probleme, "Ihren" Lieblingsstand am neuen Aufstellungsort zu finden und so kann sich ab jetzt jeder auf einen etwas anderen Freitagsmarkt freuen.

Download
Einen aktuellen Presseartikel von Birgit Grundner über den Neufahrner Markt finden Sie hier:
Bericht Monat 8_2016.pdf
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